Die Befangenheit des Richters im Zivilprozess
1. Normenstandort
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Ausschluss § 41 ZPO | | kraft Gesetzes wegen besonderer Verbindung mit einer Partei oder dem Rechtstreit | |
| | von Amts wegen zu beachten | |
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Ablehnung § 42 ZPO | | Antrag notwendig | » § 44 ZPO |
| | Selbstablehnung Richter möglich | » § 48 ZPO |
| | bei Kenntnis sofortiges Vorbringen ! | » § 43 ZPO |
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2. § 42 ZPO
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§ 42 I Alt 1 ZPO | | Ausschluss kraft Gesetzes nach § 41 ZPO nicht erfolgt | |
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§ 42 I Alt 2 ZPO | | Besorgnis der Befangenhei | » § 42 II ZPO |
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| | | » Befangenheit |
| | | » Besorgnis |
| | | » Grund für Misstrauen |
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3. Begriffe
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Befangenheit | | Zustand nicht unabhängiger Urteilsfähigkeit aufgrund einer speziellen Motiv- oder Sachlage | » Fallgruppen Zöller ZPO 26. Auflage § 42 |
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Besorgnis | | Berechtigtes Misstrauen gegenüber Unparteilichkeit | |
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Grund für Misstrauen | | Unabhängig davon, ob Richter tatsächlich parteilich ist, der Grund also objektiv vorliegt. BESORGNIS genügt ! | |
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4. Vorgehen im Rechtstreit
4.1. Lage | | | |
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§ 42 I Alt 1 ZPO | | Ausschlussgrund nach § 41 ZPO nicht von Amts wegen beseitig | = Ablehnungsgrund |
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| | | » § 43 ZPO greift nicht |
| | | Vorbringen jederzeit |
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§ 42 I Alt 2 ZPO | | Besorgnis d. Befangenhei | = Ablehnungsgrund |
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4.2. Gesuch § 44 ZPO | | | |
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Form | | schriftlich oder mündlich | |
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Wer | | jede Partei | » kein Anwaltszwang |
| | Prozessbevollmächtigter | |
| | Streitgenosse, Streithelfer | |
| | Drittbetroffener | |
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Wo | | vor Gericht des befangenen Richters | » AG, LG, OLG usw. |
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Inhalt | | Name des Richters | |
| | a) Grund der Besorgnis | » Glaubhaftmachung |
| | alle Gründe sofort, wenn bekannt | » Nachschieben nein |
| | b) Ausschlussgrund nach § 41 ZPO | » Glaubhaftmachung |
| | einzelne oder alle Gründe, egal ob bekannt | » Nachschieben ja
bis Rechtskraft |
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Zeitpunkt | | Tatsacheninstanz | |
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| | Kenntnis vorhanden | » sofort geltend machen |
| | | Grenze: § 43 ZPO Antragstellung, jede weitere Einlassung |
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| | Kenntnis nicht vorhanden | » sofort bei Kenntnis |
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| | | Grenze: Schluss mündl. |
| | | Verhandlung oder letzte Einlassungsfrist |
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| | Rechtsmittel möglich | |
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| | Kenntnis nach Schluss
mündl. Verhandlung oder letzter Einlassungsfrist | » § 547 Nr. 2, 3 ZPO mit Einlegung Rechtsmittel |
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| | Kenntnis nicht vorhanden | » sofort bei Kenntnis |
| | | Grenze: Schluss mündl. |
| | | Verhandlung oder letzte Einlassungsfrist |
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| | Rechtsmittel nicht möglich | |
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| | Kenntnis nach Schluss mündl. Verhandlung oder letzter Einlassungsfrist | » § 586 ZPO Notfrist 1 Monat ab Rechtskraft |
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| | Kenntnis nicht vorhanden | » § 586 ZPO spätestens 5 Jahre nach Rechtskraft, dann binnen Notfrist 1 Monat ab Kenntnis ! |
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Unzulässig | | wenn Ziel Prozessverschleppung oder Rechtsmissbrauch | |
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Rücknahme | | bis zur abschließenden Entscheidung über Ablehnung jederzeit möglich | |
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5. Ablehnungsverfahren
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Eingang Gesuch | | dienstliche Äußerung des Richters | » § 44 Abs. 3 ZPO |
| | Richter in Wartestellung | » § 47 ZPO |
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Zuleitung an Parteien | | Gesuch und dienstliche Äußerung | » rechtliches Gehör |
| | zur Stellungnahme durch Parteien | |
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Entscheidung Gericht | | | » § 45 ZPO |
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| | Amtsgericht | » anderer Richter |
| | Kollegialgericht | » Kollegium oder bei |
| | | Einzelrichterzuständigkeit |
| | | Kollegium durch anderen Einzelrichter
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| | Beschlussunfähigkeit | » nächst höheres Gericht |
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Zustellung an Parteien | | Beschluss | » § 46 I ZPO |
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Richterwechsel | | Ablehnungsgesuch begründet | » Richterwechsel |
| | kein Rechtsmittel möglich | » § 46 II ZPO |
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| | Ablehnungsgesuch unbegründet | » kein Richterwechsel |
| | sofortige Beschwerde | » § 46 II ZPO § 567 I Nr. 2 ZPO |
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| | Ablehnungsgesuch unzulässig | » kein Richterwechsel |
| | | » § 46 II ZPO analog § 567 I Nr. 2 ZPO |
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Sofortige Beschwerde | | erfolgreich | » Richterwechsel |
| | nicht erfolgreich | » kein Richterwechsel |
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6. Fallgruppen
vgl. etwa bei Zöller ZPO 26. Auflage § 42
6.1. Mittelbare Beteiligung des Richters am Rechtstreit und eigenes Interesse am Prozessausgang
Richter als Gesellschafter einer am Prozess beteiligten GmbH
6.2. Nahe persönliche oder geschäftliche Beziehung zu einer Partei
Dienstverhältnis zwischen Ehegatten des Richters und der Partei
6.3. Nahe persönliche Beziehung zum Prozessvertreter einer Partei
Ehe mit Prozessvertretung
6.4. Interessenwahrnehmung für eine Partei
Erteilung von Rat und Auskunft an eine Partei außerhalb des Verfahrens
6.5. Vorbefassung
a) prozessrechtlich typische Vorbefassung ( zulässig )
PKH- und Klageverfahren, Arrest-, Verfügungs-, Erlass-, Widerspruchs und Hauptsacheverfahren, Urkunden- und Nachverfahren, Grund- und Betragsverfahren, Ausgangs- und Abhilfeverfahren, Einstellung der Zwangsvollstreckung und Entscheidung zur Hauptsache
b) prozessrechtlich atypische Vorbefassung ( unzulässig )
Versetzung Richter an Berufungsgericht und dortige erneute Befassung mit der Sache; Frühere Befassung mit gleichem Sachverhalt als Vertreter der Anklage, Strafrichter; Mitwirkung im Vorprozess und Wiederaufnahmeverfahren
Vorschrift in ZPO fehlt, jedoch gilt Wertung des § 23 Abs. 2 StPO, so dass bei pflichtwidrigem Verhalten des Richters im Vorprozess Befangenheit im Wiederaufnahmeverfahren vorliegt
Mitwirkung von Ehegatten und nahen Angehörigen des abgelehnten Richters als Richter derselben Sache
Mitwirkung in mehreren gleichzeitig anhängigen Verfahren einer Partei
Nur wenn Verfahren in einem übergreifenden Zusammenhang stehen
6.6. Verstoß gegen die gebotene Objektivität, Neutralität und Distanz, Verstoß gegen prozessualen Gleichbehandlungsgebot
Messen mit zweierlei Maß, einseitige Protokollführung, Nichtberücksichtigung von Terminwünschen, Verfahrensweise entbehrt jeglicher gesetzlichen Grundlage bezüglich einer Partei
Unsachliches und unangemessenes Verhalten, Negative Einstellung gegenüber einer Partei, Bevorzugung der anderen Partei
kränkendes Verhalten gegenüber einer Partei, Bezeichnung des Sachvortrages als Unsinn, unangemessen Mimik und Gestik während des Parteivortrages, Anbrüllen einer Partei
aber auch: Terminierung einer Familiensache auf den 11.11. um 11:11 Uhr (Faschingsbeginn): „Etwas Humor kann auch von den Parteien einer Familiensache erwartet werden."
Voreingenommenheit und Verdächtigung
Sachfremde Fragestellungen, ungeprüftes Sichzueigenmachen von einseitigem Parteivortrag, Aussetzung gemäß § 149 ZPO ohne hinreichende Prüfung des Tatverdachtes
Behinderung in der Ausübung der Parteirechte, willkürliche Benachteiligung durch Verkürzung rechtlichen Gehörs
Weigerung Erklärungen ins Protokoll aufzunehmen, Nichtweiterleitung eines Schriftsatzes an die Gegenseite, wiederholte Wortunterbrechungen einer Partei, Ablehnung einer Terminverlegung bei wichtigem Grund ( Krankheit Prozessvertretung, bei auswärtiger Partei ), Verweigerung der Akteneinsicht ( Sachverständigengutachten )
Unsachgemäße Verfahrensleitung, grobe Verfahrensverstöße, Untätigkeit
Langandauernde Nichtbearbeitung, Ignorieren von Anträgen
Beeinträchtigung des richterlichen Vertrauensverhältnisses
Ermittlungen auf eigene Faust, Zeugenstellung des Richters ( Abgrenzung zu offenkundigen und gerichtskundigen Tatsachen ), Bruch der Amtsverschwiegenheit gegenüber Drittem
6.7. Gesellschaftlicher Standort und Person des Richters
Zugehörigkeit zur Kirche, Gewerkschaft, wissenschaftliche Betätigung in der Regel nicht, außer es liegt Nähe zum Prozessgegenstand vor oder die Stellung des Richters wird gezielt zur Durchsetzung gesellschaftlicher Interessen missbraucht.
6.8. Richterliche Aufklärung und materielle Prozessleitung
gemäß §§ 139, 273, 278 Abs. 2 S. 2 ZPO gebotenes Verhalten immer zulässig, daher vorläufige Meinungsäußerungen zur Sach- und Rechtslage zulässig, ebenso Anregungen, Hinweise, Ratschläge, Empfehlungen ( etwa Formulierung von Anträgen, zur Schlüssigkeit des Vorbringens )
Sehr streitig: Hinweis auf bestehende Einreden und Gegenrechte ( Verjährung, Aufrechnung, Zurückbehaltungsrecht )
6.9. Fehlende Dienstfähigkeit
Schlafen des Richters während der Verhandlung, Unaufmerksamkeit, Ablenkung durch Aktenstudium während der Verhandlung,
Fehlerhafte Besetzung aufgrund Geschäftsverteilungsplan ): nur Besetzungsrüge möglich
7. Hinweis zur Vollständigkeit
Kosten Ablehnungsgesuch: keine
Kosten Beschwerde: nur wenn erfolglos ( § 97 Abs. 1 ZPO )
Grundsätze entsprechend anwendbar etwa für
Sachverständige ( § 406 ZPO )
Urkundsbeamte ( § 49 ZPO )
Rechtspfleger ( § 10 RPlG )
dienstliche Äußerung des Richters nach Gesucheinreichung genügt ( § 44 III ZPO )
Heilung nach § 43 ZPO schließt jeden späteren Befangenheitsantrag aus dem selben Grund aus, d.h. auch dessen Geltendmachung mit Rechtsmittel oder Wiederaufnahmeklage ist ausgeschlossen, Ausnahme: Fälle des § 41 ZPO
Es muss nunmehr glaubhaft gemacht werden, dass Grund später entstand oder der Partei erst später bekannt wurde